Die Web 2.0 Expo in Berlin von 21-23 Okt. war gepackt mit Eindrücken, coolen Leuten in abgeklärter Aufbruchstimmung und natürlich interessanten Infos. Wen das genaue Programm interessiert, der findet es auf der offiziellen Website.
Natürlich liefen die meisten Web 2.0-Protagonisten mit Visitenkarten von moo.com rum - ein Must-have für alle, die innovativ und cool sein wollen.
Also, wer schon auf der Jagd nach netten Weihnachtsgeschenken ist, der findet sie vielleicht bei moo.com. Spannend war aber auch der Vortrag von Stefan Magdalinski. Für ihn war es ganz normal, dass 2% aller Lieferungen in 130 Länder nicht oder falsch ausgeliefert werden. Für einen Versender wie OTTO wären das wohl Horror-Werte. Interessant ist, dass diese Company mit dem Slogan „We love to print“ alles andere macht - nur nicht drucken. Sie konzentrieren sich lieber auf Consumer-Experience und Prozess-Optimierung. Von Ajax hält das Team nicht ganz so viel, da man die User-Pfade nicht so recht verfolgen kann, da favorisieren sie eher Flash.
Parallel habe ich mal auf Google nach moo geschaut. Und war sehr beeindruckt - so möchte man gelistet sein: Oben die eigene Website, dann Flickr, dann Business-Cards, dann die deutsche Website und schließlich Wikipedia.
Sie haben sogar ein eigenes Payment-System aufgebaut. Allerdings nur um dann festzustellen, dass PayPal und andere etablierte Zahlungssysteme ein wesentlich höheres Vertrauen genießen als sie selbst… Das passt zu unserem Grundsatz, dass Finanzdaten bei den Spezialisten bleiben sollten. Alles andere schafft nur Ärger, da optimiert man lieber nach und nach den Prozess um die hohen Kosten für Finanzdienstleister im Zaum zu halten.
Wer sich wie wir mit mit User Interfaces beschäftigt kam um den Vortrag unseres Kunden eBay nicht herum. Es war großartig, wie detailliert und offen sich Josh Damon Williams und Peter Stahl von eBay mit dem Thema „Checking the ‘Feel’ of Your UI with an Interaction Audit” auseinander gesetzt haben. Es war zwar nicht unser Projekt, da wir am Kernprodukt von eBay noch nicht arbeiten dürfen. Aber das Chart von deren Key-Learnings wollen wir niemandem vorenthalten - siehe rechts.
Auch gut war der Vortrag von Alan Patricks (der nicht mal ein Facebook-Profil hat). Der Vortrag war zwar sehr Business 1.0-like, aber es wäre so schön, wenn er Recht hätte. Er geht davon aus, dass jeder neue Vorgang Transaktionskosten verursacht. Und bei Betrachtung des Einnahmen-Modells Werbung sollte man nicht viel erwarten um derlei Kosten mit Einnahmen auszugleichen. Von den Online-Werbeeinnahmen gehen in USA 30% an Google und 60% an die Top 3. In Deutschland räumt Google gleich mehr als 50% ab. Also sollte sich keiner der Illusion hingeben, mit irgendeinem neuen Service relevante Werbeeinnahmen erzielen zu können.

Im Web 2.0 ist es zur Zeit so, dass die Content-Kreatoren die Aggregatoren bezahlen - und die Nutzer bekommen es kostenlos. Oder vermeidlich kostenlos. Jetzt muss der User doch dran glauben. Bei Facebook z.B. sehen die Geschäftsbedingungen so aus, dass jeder Content, den man produziert, denen gehört. Und sie aggregieren die User-Daten so, dass Voraussagen getroffen werden können, die das Konsumverhalten schätzen. So wird wenigstens das verkauft, was man selbst vielleicht mal an Geld ausgeben möchte.
Alan Patrics glaubt natürlich trotzdem an erfolgreiche Geschäftsmodelle, die wirklich Kosten reduzieren oder Produktivität erhöhen. Mehr dazu auf seinem Blog broadstuff.com.
Und hier sind auch die Charts vieler Vorträge bereits eingestellt: http://en.oreilly.com/webexberlin2008/public/schedule/proceedings.