Hamburg Times China Network Fachworkshop

Von Kai Pohlmann am 17. September 2007

Wer hätte gedacht, dass ein derart großer Andrang herrscht, wenn die Handelskammer das Thema China vorstellt. Ich sollte über meine Eindrücke aus Shanghai berichten - schön, dass ich dadurch auch die Möglichkeit hatte, die anderen spannenden Vorträge mitzubekommen.

Der Chinesischer IT-Markt und das Outsourcing

So erfuhr ich, dass der chinesische IT-Markt doppelt so groß ist wie der Indische, jedoch lange nicht so viele Mitarbeiter hat, da die Inder sehr viel für den Weltmarkt produzieren. Die Chinesen produzieren eher für den nationalen oder lokalen Markt. Das erzählte Dr. Jie Jiang, Head of Business Development China von arvato systems in Shanghai. Bei ihm in Gütersloh gibt es viele Firmenjubiläen mit 20 bis 30 Jahren Firmenzugehörigkeit. In China hingegen wird sofort gewechselt, falls irgendwer etwas mehr bietet. Und da wird schnell mehr geboten, da qualifiziertes Personal überall Mangelware ist. Seine spannende Meinung zum Thema Offshore-Produktion von Software war: “Wer das in erster Linie macht um Kosten zu sparen, der wird scheitern.” Ich dachte ja immer, dass das der einzige Grund ist, all diese Prozess-Schwierigkeiten und Sprach-Hürden auf sich zu nehmen.

Der Chinesische Film-Markt, die Golden Hour…

Wolfgang Wilke, Business Manager Asia von actionconept GmbH macht z.B. Dinge wie Cobra 11 und vermarktet die international. Er war leider mit einem deutschen Kung Fu Film auf der Berlinale kläglich gescheitert. Beim Shanghai Film Festival fanden die die Sachen jedoch ganz cool. Er produziert jetzt die einzige Deutsche Sendung, die es in die Prime-Time (heisst dort Golden Hour ;-)) von China geschafft hat: “Wetten Dass…” gemeinsam mit CCTV Beijing.

Deutsche Produktionen haben in China das Problem, dass sie zu hausbacken, zu altmodisch sind. Wolfgang Wilke sieht sogar die mittelfristige Tendenz, dass vielleicht die bunte, schnelle, hochmoderne Geschmackswelt von China nach Deutschland schwappt. Denkbar ist das. Für ihn ist es kein einfacher Job, da es stark regelmentiert ist, wie hoch der Anteil ausländischer Produktionen am Programm ist. Die einzelnen Länder haben jeweils ein Monopol in den Provinzen. So hat CCTV 41% Marktanteil in Bejing - in Shanghai nur 21%.

…und der Chinesische Werbemarkt

Der chinesische Werbemarkt liegt bei ca. 20 Mrd. Euro und ist damit ungefähr so groß wie der von Deutschland. Die chinesische Filmindustrie ist ungefähr 3/4 so groß wie des Dt. Kinomarktes, mit 3300 Leinwänden gegen etwas mehr als 4000 in Deutschland. Eine nette Statistik - größte Werbeagenturen: Leo Burnett, Shanghai 3.82 MIO RMB, Saatchi&Saatchi 3,38 MIO RMB, McCann Erickson 3,1 MIO RMB, Beijing Dentsu 2,5 MIO RMB, JWalter Thomson / Bridge Advertising Shanghai 2,41 Mio RMB. Auch spannend sind die Zahlen der Mobile-Phone User: zur Zeit hat China über 500 Millionen Nutzer, 137 Mio Internet-Nutzer, 1,3 Mio Handset TV Subscriber und 550.000 IPTV Subscribers.

Intellectual Property

Kein China-Workshop ohne das Thema Intellectual Property: Dazu Markus Schöner, Rechtsanwalt von CMS Hasche Sigle. Er unternahm gerade Schulungsreisen, um die GTZ und Chinesische Juristen auf die Themen “Copyrights” etc. zu schulen. Eigentlich sind die Gesetze für gewerbliche Schutzrechte in China schon da, es fehlt jedoch an praktischen Erfahrungen und Manpower. Bei seinen Seminaren stellte er fest, dass chinesische Behörden bereits gegen Markenfälschungen vorgehen - aber in erster Linie gegen Markenfälschungen, bei denen chinesische Marken gefälscht wurden. In China gibt es seit 1982 ein Markenrecht und seit 1984 ein Patentrecht. Seit WTO-Beitritt auch Anpassungen auf WTO-Standards und zum Urheberrecht. Fast alles gleich wie hier in Deutschland! Nur dass es in Deutschland keinen administrativen Rechtsschutz gibt. Hier muss man sich selbst kümmern, z.B. durch Einstweilige Verfügungen. Der Markt überwacht sich hier gegenseitig - in China ist dafür der Staat zuständig. Man muss sich also an eine der vielen, vielen Fachbehörden wenden…

Weitere Infos…

Alle Vorträge stehen auch auf der Hamburg@Work-Seite zum Download bereit. Mein eigener Vortrag basierte vollständig auf den Fotos von Jens Unrau (der übrigens ein ganz tolles Flickr-Portfolio mit noch mehr Reisefotos hat).

Randnotiz: Danach war ich bei der Jury-Sitzung für die Hamburger Technische Hochschule, wo die Studenten ihre Plakat-Vorschläge für das Centrum Bildung und Beruf vorgestellt haben. Sehr klasse Ideen dabei - schön, dass es solchen Nachwuchs gibt. Einen ganz klaren Favoriten gab es nicht. Drei zu Favoriten aufgestiegen. Man merkte aber, dass die jungen Leute echte Schwierigkeiten hatten, sich in die Ängste und das Selbstwertgefühl von Menschen über 45 hineinzudenken, die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben.

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