Mobile Monday

Von Kai Pohlmann am 17. November 2009

Elbchaussee 43Heute Mobile Monday in Hamburg, http://www.mobile-monday.de: Wie toll die neue Location im Hamburg Business Club ist! Das Beste daran: Die Location hat jetzt einen direkten Blick auf die KMF. Das Haus kannten wir ja schon durch unseren Freund Klaus-Martin Kretschmer, der hier tolle Dinge veranstaltet hat.

Über Live-Event Mobile-Communication:

Der Trend entwickelt sich zur Zeit von der Künstler-Website zum mobile-Contact, so dass Tickets und Live-Infos direkt auf und für den Event gekauft werden können. Jeder hat sein Handy dabei, wenn er zum Event geht. Das Geld wird im Entertainment-Business besonders mit Live-Events verdient. Wichtige Mobile-Services für Live-Events sind:

  • Line-Up
  • Wetter zum Events
  • Einladungen zu Aftershow
  • Voting
  • Verkauf von Live-Mitschnitt oder von Musik-Downloads

Erster Vortrag: “Mobile Business Models - Key Trends”, von Music Ally, Steve Mayall

War leider nicht da. Trotzdem bekamen wir ein paar Charts gezeigt. Frankreich führt die Mobile-Umsätze im Europäischen Markt an. Musikverkauf steigt. Aber das Business mit Klingeltönen ist überall danieder. Also zeigen die Marktzahlen zur Zeit eher nach unten. In Japan ist eine Plattform der 4 großen Majors entstanden. Da dort 75% aller Web-Zugänge über das Mobile-Web erfolgen, ist dieses Portal gerade bei Musik-Downloads extrem erfolgreich. Die Downloads werden eher per Monats-Fees vergütet. In Japan sind die Kosten der Carrier allerdings recht niedrig und weit unter dem Europäischen Durchschnitt.

Zur Zeit sind ca. 100.000 iPhone-Apps verfügbar. Immer mehr Künstler schaffen sich eigene Apps - nicht nur die Majors. Momentan sprießen AppStores wie OVI oder Samsung etc. aus dem Boden. Durch die Apps verdient mobile-Music wieder Geld.

“Mobile Entertainment with MediaFLO”: von Qualcomm Bernhard von Canstein, Director Business Development bvonCanstein@qualcomm.com

Es geht um die “Luftschnittstelle”: Das Wireless Internet fängt an, Dienste zu betreiben. Fokus liegt zur Zeit auf Mobile Banking und Content Delivery. Die Marktentwicklung, eine Prognose: 2008 23 Mrd. $, 2013 56 Mrd. $, 2018 92 Mrd $. Haupt-Umsatzbringer soll mit 34,6 Mrd. $ das Mobile TV werden. Das sollte man kritisch sehen, da die Anfänge von Mobile TV zur Zeit eher holperig sind. Natürlich gibt es mehr Handys als Fernseher in Deutschland - aber es gibt wohl zur Zeit zu viel guten kostenlosen Content. Qualcomm hat festgestellt, dass sehr viele Partner notwendig sind, um im Mobile-TV Erfolg zu haben, wobei immer noch die griffigen Geschäftsmodelle fehlen. Wichtig wird sein, persönliche Relevanz aufs Handy zu bringen. Natürlich spricht alles für immer mehr Traffic via Mobile, dieser wird auch größer als der Traffic durch Sprach-Übertragung. Im TV gilt noch das Pareto-Prinzip: 20% der Inhalte bringen 80% der Zuschauer zusammen.

In USA haben Horizon und AT&T jetzt einen Mobile-TV-Service aufgebaut, der auf den wichtigsten neuen Endgeräten ausgeliefert werden kann. Wir reden also selbst in den USA noch von ganz zarten Anfängen mit FLO TV. Highlights sind eher die großen Live-Ereignisse wie die Beerdigung von Michael Jackson - also eher gelernte Verhaltensweisen, die sich vielleicht in Zukunft ausdifferenzieren können (mal sehen). Die Time-Shift-Funktion mag Qualcomm ja als wichtig sehen, aber die gibt es schon für viele Endgeräte. Insofern wird es schon stimmen, dass es bald egal sein wird, ob wir in Zukunft via TV und PC oder mit dem Handy reagieren und konsumieren.

Technisch wird die Funktion sehr wichtig sein, Inhalte vorab herunter zu laden, damit sie on-Demand zur Verfügung steht. Nett: Das Projekt von Arnd-Helge Garp wurde als tolles Beispiel erwähnt: http://www.radiopark.de. Im Auditorium wurde heiß diskutiert, ob das iPhone demnächst mit dem Download-Content des TVs verbunden wird und dann als mobiles Abspiel-Gerät eingesetzt wird. Spannend war auch die Diskussion um die Schwachstelle der Akku-Leistung. Hier steht der Durchbruch noch aus. Doch die eigentliche Hürde wird wohl - wie immer - die Trägheit des Menschen sein - und nicht die Technologie.

Jarkko Tolvi “Developer’s hot topics 2010 with Nokia”.

Forum Nokia ist die Developer Community des Handy-Bauers. Sie bieten natürlich “great 3rd party applications”, Support etc an. Die meisten Entwickler kommen zur Zeit zu ca. 50% aus Europa. Bisher war die Symbian-Entwicklung nicht einfach, das kann das Team von Navigon und KMF bestätigen ;-). Jetzt kommt Nokia mit Qt, einer Technologie, die bereits vielfältig in anderen Bereichen eingesetzt wird - mit modularen Class Libraries für die Cross-Platform IDE. Da sind wir natürlich gespannt. Die Technik wird auf Apps-Level angeboten. Für die Distribution steht dann OVI, die Plattform von Nokia, zur Verfügung. Den Entwicklern wird jetzt auch der Zugriff auf Nokia-Maps angeboten. Das ist natürlich spannend wenn man bedenkt, wie aufwändig der Zugang zu Karten-Informationen bisher war. Die Maps stehen per API, Mobile und Web zur Verfügung.

Wichtig wird auch das Thema Musik. Entwickler können bei den Apps mitverdienen. Für Widgets, Games etc. erhalten die Entwickler 70% des Umsatzes, die verbleibenden 30% behält OVI ein. Damit lässt sich natürlich nicht das Fahrrad im Laden per Handy bezahlen, aber rein mobiler Content kann sich wie bei iTunes lohnen. Bezahlt wird via Telefonrechnung oder Kreditkarte. Die Vermarktung übernimmt OVI durch den globalen Auftritt. Material ist verfügbar unter http://publish.ovi.com.

Vortrag von ICS Festival Service GmbH, Nick Hüper, Manager Online Communication (Veranstalter des Wacken-Festivals)

Die Organisatoren des Wacken-Festivals haben dieses Jahr das erste Mal für 7 Tage eine mobile Homepage angeboten, danach wurde sie wieder vom Netz genommen. ICS bietet - neben dem Festival - alles rund um das Thema an, von Lizenzen bis hin zu Media. Während des Festivals sollten alle am Weltrekord-Versuch um den längsten DVD-Abspann teilnehmen. Jeder wurde in den Abspann aufgenommen, wenn er etwas schickt.

Wacken normalerweise hat 2.500 Einwohner. Im August kommen 75.000 langmähnige Bombenleger (natürlich ganz, ganz friedlich) und 80 Bands auf 5 Bühnen. Die Jungs mussten erst mal Strom und Wasser legen, von Internet-Points war noch gar nicht zu reden. Jetzt gibt es aber Mobile Web Access. Es zeigte alles vom Wetter über die Info-Seiten bis hin zur Wegbeschreibung zum nächsten Dixi-Klo. Für den Veranstalter ist es wichtig, kurzfristige Programmänderungen bekannt geben zu können - immerhin laufen die Leute teilweise 25 Minuten von ihrem Camping-Platz bis zur Bühne.

Verkehrsinfos u.a. waren 2009 ein rein informationsorientiertes Konzept. 2010 wollen sie User-Generated Content bringen. Mehr Interaktion, Votings, Clips, GPS-Ortung, Freunde finden. Die Zahlen 2009: Von 75.000 Gästen haben 13.000 Unique User auf das WAP-Portal zugegriffen. Die Tage vor dem Event waren ca. 250 User am Tag auf der mobilen Seite. Insofern kam der meiste Traffic wirklich von den Leuten vor Ort. Insgesamt besuchen per anno ca. 160.000 Besucher die Webseiten des Wacken-Festivals. Die Mobile-Services wurden per Trailer auf den Bühnen und in ein paar Print-Medien kommuniziert. Auch „Rock-am-Ring“ ist ähnlich vorgegangen. Die anderen Festivals bieten noch keine Mobile-Services an.

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